Aufruf zur Fastenaktion MISEREOR 2024

 

Liebe Schwestern und Brüder,
haben Sie gewusst, dass es weltweit mehr als 30.000 verschiedene Pflanzenarten gibt, dievom Menschen für Nahrungsmittel und Textilien genutzt werden können? Diesen Reichtum wissen vor allem Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu schätzen. Sie erzeugen mit ihren Familien den Großteil der weltweit hergestellten Nahrungsmittel und spielen auch e ne wichtige Rolle, wenn es um Klima- und Artenschutz geht. Doch die Existenz vieler Kleinbauern ist bedroht: Die Folgen des Klimawandels bekommen sie deutlich zu spüren. Diese zeigen sich in Wetterextremen und machen Ernten unberechenbar. Dazu kommt, dass wenige große Konzerne den Weltagrarmarkt beherrschen und auf Monokulturen und synthetische Pestizide setzen.
In der diesjährigen MISEREOR-Fastenaktion kommen Kleinbäuerinnen und Klein bauern aus Kolumbien zu Wort. Sie sprechen von ihrer Gemeinschaft und Naturverbundenheit, aber auch von ihrer Unsicherheit und Existenzangst. Das Leitwort der Fastenaktion lautet „Interessiert mich die Bohne“. Kaffeebohnen und Hülsenfrüchte sind in Kolumbien wichtige Handelsgüter und landestypische Grundnahrungsmittel. Mit dem Leitwort werden aber nicht nur diese Nahrungsmittel in den Blick genommen, es kann auch als Anfrage an uns selbst verstanden werden: „Interessiert mich die Bohne – Fragezeichen?“ Interessieren uns das Leben und die Zukunft der Kleinbauern in Kolumbien und weltweit?
Lassen Sie uns Interesse zeigen, Anteil nehmen, zuhören und durch unsere Spenden deutlich machen: Ja, uns interessiert die Bohne, uns interessiert die Arbeit der Menschen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, die sich um die Natur und ihre Existenz sorgen!

 


Wiesbaden, den 28. September 2023
Für das Bistum Trier

Dr. Stephan Ackermann
Bischof von Trier

 

 

Aufruf zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land


Liebe Schwestern und Brüder,
der Nahe Osten ist eine Welt voller Barrieren: Eine hohe Mauer trennt palästinensische Gebiete von Israel und von israelisch kontrolliertem Land. So sind die Heiligen Stätten in Jerusalem für viele nicht oder nur mit Schwierigkeiten zu erreichen. Auch Arbeitsmigranten leben mit vielen Hindernissen; ihre Rechte werden oftmals nicht anerkannt. Mit besonderen Schwierigkeiten haben darüber hinaus Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung zu kämpfen. Jeden Tag erleben sie, dass sie ausgegrenzt werden, dass ihnen die Teilhabe an der Gesellschaft verwehrt bleibt. Es gibt Barrieren in ihrem Leben, die manchmal unüberwindbar scheinen. Die christlichen Kirchen im Heiligen Land sind an der Seite der Menschen mit Behinderung. Durch zahlreiche Projekte und Einrichtungen bieten sie ihnen Chancen auf Teilhabe, Bildung und ein selbstbestimmtes Leben. Christliche Begegnungsstätten, Schulen, Gemeinden und soziale Einrichtungen eröffnen so neue Perspektiven.
„Mittendrin – Barrieren überwinden“ – das ist das Motto der diesjährigen Palmsonntagskollekte. Durch Ihre Spende ermöglichen Sie dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande und dem Kommissariat des Heiligen Landes der Franziskaner die Fortsetzung ihrer Arbeit zugunsten von behinderten Menschen.
Kirchliche Einrichtungen im Heiligen Land können so ganz konkret Barrieren überwinden helfen.
Bitte unterstützen Sie die Arbeit für die Menschen im Heiligen Land durch Ihre Anteilnahme, durch Ihr Gebet und durch Ihre Spende. Herzlichen Dank!
 

 

Wiesbaden, den 28. September 2023
 

Für das Bistum Trier

Dr. Stephan Ackermann
Bischof von Trier

 

Hirtenbrief zur österlichen Bußzeit
„Leben braucht Segen“


Liebe Schwestern und Brüder im Bistum Trier!
Kurz vor Weihnachten hat das Dikasterium für die Glaubenslehre in Rom mit ausdrücklicher Gutheißung von Papst Franziskus eine Erklärung veröffentlicht, die sich mit der Segnung von Paaren befasst, die nicht kirchlich heiraten können oder wollen. Dazu gehören beispielsweise Menschen, die nach einer Scheidung neu geheiratet haben, oder auch gleichgeschlechtliche Paare.
Die Diskussion um die Segnung solcher Paare beschäftigt uns in Deutschland bereits seiteiner ganzen Reihe von Jahren. Die Erklärung aus Rom sagt nun mit höchster Autorität erstmals ausdrücklich, dass für diese Paare ein Segen möglich ist. In einem Brief an alle Hauptamtlichen in der Pastoral unseres Bistums habe ich die römische Erklärung als „einen theologischen und pastoralen Durchbruch“ begrüßt.
Über den konkreten Anlass hinaus regt das römische Schreiben dazu an, insgesamt neu nachzudenken darüber, was Segnen und Sich-segnen-Lassen bedeutet. Dazu möchte ich Sie in meinem diesjährigen Wort zum Beginn der Fastenzeit einladen.
Interessanterweise ist das Bedürfnis nach Segen auch in unserer hochtechnisierten und mit vielen Sicherheitsvorkehrungen ausgestatteten Welt weiter vorhanden. Ja, ich habe sogar den Eindruck, dass der Wunsch, Segen zu empfangen, zunimmt. Jedenfalls erlebe ich bei meinen Besuchen an den verschiedensten Orten unseres Bistums nicht selten, dass Menschen nach einem Gottesdienst auf mich zukommen und um einen persönlichen Segen für sich oder andere bitten, darunter auch Personen, die nicht katholisch sind.
Menschen spüren, dass es in unserem Leben trotz aller Absicherungen, die wir vorsehen, Unwägbarkeiten gibt, die wir nicht ausschalten können. Das gilt im Bereich der Technik, aber es gilt ebenso für unser Zusammenleben. Wir haben das Gelingen unseres Lebens nicht so in der Hand, dass wir es aus eigener Kraft allein bewirken könnten. Wir sind angewiesen auf mehr, auf eine Gabe, die wir selbst uns nicht geben und nicht machen können. Wir nennen sie in der Sprache des Glaubens „Segen“.
Damit wird deutlich: Wenn wir einander einen Segen zusprechen, dann geht es um mehr als bloß um ein gutes Wort, das einer dem anderen sagt. Wer segnet, ruft Gottes kraftvolle und schützende Gegenwart an.
Und wer sich segnen lässt, ist bereit, Gottes Nähe zuzulassen, ist bereit, Gottes Wirken an sich geschehen zu lassen. Bischof Wanke aus Erfurt hat als Vergleich dafür einmal das schöne Bild von einem Magnetfeld benutzt, in das wir uns hineinbegeben und dessen geheime Kräfte sich ordnend und Halt gebend dem kleinen und ansonsten schwachen Eisenpartikel mitteilen.
Die Bitte um Segen entspringt der Überzeugung, dass der Urgrund des Lebens uns nichts Böses will, sondern es gut mit uns meint – trotz des Schweren und Bösen, das wir im konkreten Alltag so oft erleben. In unserem christlichen Verständnis des      Segens kommt noch etwas hinzu: Wir glauben nicht an eine bloß anonyme Macht, die diese Erde trägt und hält. Wir glauben daran, dass Gott jede und jeden von uns persönlich anschaut. Wir glauben, dass wir von ihm gesehen sind. Er hat uns in Jesus Christus sein Gesicht gezeigt. Es ist ein menschliches Gesicht. Das gibt unseren menschlichen Begegnungen eine neue Qualität: Wo ein Mensch den anderen mit Achtsamkeit und Respekt anschaut, wo ein Mensch sich dem
anderen aufrichtig zuwendet, da kann diese Geste zu einem Zeichen göttlichen Segens werden.
Das gilt erst recht dann, wenn sich diese Zuwendung mit einer ausdrücklichen Segensbitte oder einem Segenszuspruch verbindet.
Es ist daher kein Wunder, dass die Frömmigkeit der Kirche nicht nur den Segen von amtlich dazu bestellten Personen kennt, sondern beispielsweise auch den Segen, den Eltern oder Großeltern den Kindern geben, wenn sie ihnen ein Kreuzchen auf die Stirn zeichnen, bevor sie das Haus verlassen. Oder denken wir an die Segensbitten, die wir füreinander formulieren, wenn wir jemandem Gottes Segen wünschen zum Neuen Jahr, zum Geburtstag oder zu anderen wichtigen Anlässen.
Wenn wir diese Wünsche ernst meinen, dann sind sie viel mehr als Höflichkeitsformeln, sondern sie sagen: „Ich vertraue dich der liebenden Macht und Fürsorge Gottes an. Er soll dich begleiten und dich nicht aus dem Auge lassen!“
Liebe Schwestern und Brüder, wie schön wäre es, wenn wir den Reichtum, der uns mit der Tradition des Segnens in der Kirche gegeben ist, neu entdecken! Haben Sie deshalb keine Scheu, diejenigen um den Segen Gottes zu bitten, die in besonderer Weise zum Segnen bestellt sind, die Priester und Diakone. Haben Sie aber auch keine Scheu, zusammen mit anderen, Gottes Segen zu erbitten oder selbst anderen Menschen einen Segenswunsch zuzusprechen. Kraft der Taufe, die uns Anteil gibt am königlichen, prophetischen und priesterlichen Amt Jesu Christi, sind wir befähigt und gerufen, Gottes Segen in dieser Welt auszubreiten. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit etwas Phantasie noch viele Gelegenheiten entdecken werden, die
dazu angetan sind, Gottes Segen zu erbitten. Denn es gibt keinen Lebensbereich, der nicht Gottes helfende und heilende Gegenwart brauchen könnte.Lassen Sie mich zum Schluss noch einen wichtigen Aspekt ansprechen:           

Nach christlichem Verständnis ist der Segen, den wir empfangen, nicht so etwas wie ein magischer Schutz, der uns von außen einhüllt. Gottes Segen will sich in unserem Leben und auf unser Leben auswirken. Denken wir noch einmal an das Bild vom Kraftfeld eines Magneten, das sich ordnend auf die Eisenpartikel auswirkt. Jeder Segen will uns neu und mehr auf Gott hin ausrichten, damit unser Denken und Handeln von ihm her geprägt werden. Je mehr wir das zulassen, umso mehr werden wir Gesegnete sein und selbst zum Segen für andere werden.
Liebe Mitchristen, ich würde mich freuen, wenn die Gedanken dieses Fastenhirtenbriefs Sie dazu anregen, sich noch bewusster als bisher unter den Segen Gottes zu stellen. Ich bin überzeugt: Das wird sich nicht nur positiv auswirken auf Ihr eigenes Leben, sondern auch auf die Menschen in Ihrer Nähe.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen von Herzen eine gesegnete Fastenzeit!
 

Ihr Bischof

Dr. Stephan Ackermann

 

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